Kopfleiste (Wald, Untersuchungsgebiet, Buchen)

Das Projekt

"Langzeitexperimente werden in unserer komplexen Welt immer bedeutsamer.
Das trifft sowohl für unsere Arbeiten mit Boden, Pflanzen und Tieren als auch mit der gesamten Umwelt zu [...]. Langzeitexperimente sind mit Denken und Handeln in Generationenvergleichbar, haben also auch etwas mit
Nachhaltigkeit und Generationenvertrag zu tun."

Prof. Dr. Gerhard Flachowsky, Präsident des Senats der Bundesforschungsanstalten1)

Die Ökologische Forschungsstation Schlüchtern e. V.
verbindet ökologische Langzeitforschung, vielseitige Umweltpädagogik
und praktischen Naturschutz.

Wir forschen mit langem Atem

Seit 50 Jahren forscht die ÖFS an höhlenbrütenden Singvögeln, Kleinsäugern und Insekten – ein Langzeitmonitoring, das zu den längsten kontinuierlichen Forschungsprojekten in Europa zählt. Das ganze Jahr hindurch kontrollieren wir rund 1500 Nistkästen und erheben dabei in unterschiedlichen Lebensräumen standardisiert Daten. So entstanden und entstehen wertvolle Datenreihen u. a. zu Kohl- und Blaumeise, diversen Fledermausarten, Wald- und Gelbhalsmaus sowie Siebenschläfer und der nach Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) besonders geschützten Haselmaus ebenso wie Wespen und Hummeln. Zum Standardprogramm zählen zudem kontinuierliche Netzfänge von Vögeln an bis zu 40 Futterstationen. Ergänzend führen wir weitergehende Versuchsansätze durch, beispielsweise Untersuchungen zur Schwermetallbelastung bei Meisen im städtischen und ländlichen Raum.

Über ein halbes Jahrhundert wurde so durch Wissenschaftler und Studenten ein wahrer Datenschatz von schätzungsweise 30 Millionen Einzeldaten zusammengetragen. In diesen "Daten schlummert die systematische Beschreibung dessen, was Ornithologen derzeit wie einen Erdrutsch registrieren: Das wahre Ausmaß, in dem Verhalten und Vorkommen der europäischen Vögel durch den Klimawandel schon heute durcheinandergewirbelt werden", wie der Biologe und Philosoph Andreas Weber betont2).
Ein großer Teil der Informationen liegt bisher lediglich in Papierform vor. Unser Ziel ist es, die Gesamtheit der Daten zu ordnen, zu sichern, zu digitalisieren und der Auswertung zugänglich zu machen – eine Aufgabe, die nur mit entsprechender Finanzierung möglich ist.
Eindrucksvolle Ergebnisse zeigen abgeschlossene und aktuelle Projekte mit dem Fachzentrum Klimawandel (FZK) im Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Wir arbeiten mit den staatlichen Forstbehörden, der Vogelwarte Helgoland, dem NABU, dem BUND sowie dem Landschaftspflegeverband des Main-Kinzig-Kreises eng zusammen und stehen im Austausch mit verschiedenen Universitäten.

Wir geben Wissen weiter

Die vielfältigen umweltpädagogischen Veranstaltungen der ÖFS richten sich an Naturliebhaber jeden Alters: Ob Streuobstwiesen-Exkursionen mit Kostproben, Vogelstimmenwanderungen oder Einblicke in die faszinierende Welt des Mikroskopierens: Unter fachkundiger Leitung unserer wissenschaftlichen Mitarbeiter wird mit allen Sinnen nachhaltig Wissen erweitert.
Den örtlichen Schulen bieten wir intensive Lernerlebnisse in gemeinsamen Projekten und Exkursionen. Seit 2012 begleiten wir Schüler/innen der Bergwinkelschule Schlüchtern mit einem vielfältigen Exkursions-Programm durch die Grundschulzeit. Hierfür erhielt die Schule vom Land Hessen die Auszeichnung "Umweltschule – Lernen und Handeln für unsere Zukunft".

Erstaunliche Tierarten mitten in der Stadt entdecken Schüler/innen in und um Schlüchtern in unserem Projekt "Solitäre Insekten". Durch den Bau von Nisthilfen erhalten diese wichtigen Bestäuber Brutplätze und die Schüler spannende Beobachtungsmöglichkeiten sowie direkte Einblicke in die Kinderstube unserer heimlichen Nachbarn.
Um Heranwachsenden Einblicke in die Forschung und aktive Mitarbeit zu ermöglichen, betreuen wir Teilnehmer/innen des Wettbewerbs "Jugend forscht".
Im Rahmen eines Freiwilligen Ökologischen Jahres oder eines Bundesfreiwilligendienstes haben junge Menschen an der ÖFS die Möglichkeit, Freilandarbeit kennenzulernen und selbst zu forschen, um so Verständnis und Begeisterung für ihre Umwelt zu entwickeln. Ein FÖJ konnte bereits für ein Jahr erfolgreich umgesetzt werden.
Studierenden der Biowissenschaften sowie verwandter Fachrichtungen bietet die ÖFS in Form von Praktika und Abschlussarbeiten die Möglichkeit eines intensiven Einblicks in die Freilandarbeit sowie die umfangreiche Datenanalyse.

Wir schützen Natur

Die ÖFS unterhält über 20 ha Streuobstwiesen in extensiver Nutzung. Wir verzichten grundsätzlich auf den Einsatz von Spritzmitteln und schwerem technischen Gerät. Die Wiesen werden durch Schafe beweidet oder mit der Sense per Hand kurz gehalten. Der Erhalt alter lokaler Sorten wie z. B. der "Kleinen Damaszener Pflaume" oder des "Katzenkopfs" liegen uns dabei besonders am Herzen. Mit Eberesche, Elsbeere und Holzbirne sowie Raritäten wie Mispel, Holzapfel und Kriechen-Pflaume fördern wir "Wildobst".

So schaffen und erhalten wir wertvolle Biotope für unzählige Tierarten wie z. B. eine besondere Spechtart: Für den seltenen Wendehals wurden in Kooperation mit dem Landschaftspflegeverband des Main-Kinzig-Kreises spezielle Nistkästen ausgebracht und wir konnten bereits erste erfolgreiche Bruten beobachten. Durch Pflege und Neupflanzung von Heckensäumen rund um die Wiesen fördern wir auch die Haselmaus: An 180 Versuchs-Nistkästen entwickelt die ÖFS einen speziellen Haselmauskasten, in dem die Art vor Konkurrenten und Nesträubern geschützt ist.

Ein großer Teil unserer Arbeit erfolgt auf ehrenamtlicher Basis. Für Erweiterung und Hebung unseres einmaligen Datenschatzes, für unvergessliche Aha-Erlebnisse in der Umweltpädagogik und den Erhalt von vielfältigen Lebensräumen benötigen wir Ihre Spenden.


Diese Projektvorstellung können Sie als pdf-Datei herunterladen.

1)Senat der Bundesforschungsanstalten im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verbraucher-schutz, Ernährung und Landwirtschaft (Hrsg) (2005): „Forschungsreport 2/2005: Langzeituntersuchungen – Mit Ausdauer zur Erkenntnis“.
2)Weber, Andreas (2016): Die Boten des Wandels. Greenpeace-Magazin 3.16: 58-68.

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